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Trend Stage: Interview mit Joon-Mo Lee

04.05.2021

Joon-Mo Lee

Joon-Mo Lee, Geschäftsführer von Phoenix Design

Als Geschäftsführer von Phoenix Design leitet Joon-Mo Lee eines der renommiertesten Designstudios in Deutschland. Auf der interzum @home hält er am 5. Mai einen Vortrag über die veränderte Vorstellung von Zuhause. Unter dem Titel Wellbeing: Home beyond comfort zeigt er auf der digitalen Trend Stage , wie wir die eigene Komfortzone überwinden und uns für nachhaltige Innovationen öffnen sollten. Wir sprachen mit ihm über die Inhalte seines Vortrags und über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Zuhause.

Sie sprechen in Ihrem Vortrag über Wohlbefinden – was kann Design dazu beitragen?

Es hängt von Designern ab, wie unsere Zukunft inmitten von physischen, digitalen und erlebnisorientierten Produkten gelebt wird. Deren Absichten entscheiden darüber, ob die Realität mit weitsichtigen Produkten für ein reicheres Leben bestückt wird oder ob Ressourcen dafür aufgewendet werden, nur um „mehr Zeug“ zu schaffen, das ausschließlich auf Ertrag zielt – mit möglicherweise unbekannten Risiken in der Zukunft. Design für Wohlbefinden bedeutet, industrielle Anstrengungen darauf zu verwenden, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen. Der entscheidende Beitrag von Designern für das Wohlbefinden ist daher Offenheit, Mut und Hartnäckigkeit, wenn es um die Schaffung von Innovationen geht, die die Liebe der Verbraucher buchstäblich verdienen – und das nicht aufgrund starker Marketing-Phantasien, sondern durch einen nachhaltigen Mehrwert für die Realität der Menschen.

Design für Wohlbefinden bedeutet, industrielle Anstrengungen darauf zu verwenden, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen.

Wie lässt sich denn Wohlbefinden messen?

Das ist genauso wenig möglich, wie Sie Konzepte wie Schönheit, Würde oder Glück messen können. Alle diese Begriffe sind höchst subjektive, verinnerlichte Gefühle, die von unterschiedlichen persönlichen Wahrnehmungen und kulturellen Kontexten abhängen. Ich glaube aber, dass Daten und Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen und der Designforschung, Bedingungen und Mechanismen für die Gestaltung neuer Produkte aufzeigen, die das Leben der Menschen reicher, würdevoller und erfüllter machen. Letztlich ist die Wirksamkeit solcher Produkte natürlich messbar: an der Anzahl der Menschen, die ein verringertes Leiden und ein besseres Leben bestätigen.

© Phoenix Design

© Phoenix Design

Ihr Vortragstitel lautet „Home beyond comfort". Was meinen Sie damit?

Der Titel „Home beyond comfort" spielt mit zwei Schlüsselideen. Zum einen wollte ich deutlich machen, dass wir anfangen müssen im „Zuhause“ mehr als nur einen Ort der Behaglichkeit zu sehen. Von der Umsetzung digitaler Lebensstile bis zur Unterstützung des Wunsches nach Selbstverwirklichung haben heutige Verbraucher viele andere Erwartungen an ein modernes Zuhause zum Wohlfühlen und sind daher „beyond comfort“. Andererseits bezieht sich der Titel auf die Redewendung „außerhalb Deiner Komfortzone“. Innovation entsteht, wenn wir uns über die Komfortzone unserer industriellen Expertise hinaus bewegen. Wenn wir das nicht tun, können wir keine neuen Perspektiven entwickeln und werden letztlich nur immer mehr vom Gleichen schaffen. Nicht das Fachwissen inspiriert zu Innovationen, sondern der Mut, die Grenzen des bereits Bekannten zu verlassen.

Der Hauptgedanke, den die Pandemie in den Vordergrund gerückt hat, ist definitiv der Begriff des Übergangs.

Was sind denn die neuen Anforderungen an das Zuhause, insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie?

Der Hauptgedanke, den die Pandemie in den Vordergrund gerückt hat, ist definitiv der Begriff des Übergangs. Einerseits geht es beim Übergang um das Ein- und Aussteigen in mehrere Aktivitäten in einem Raum. Bei der Beschränkung auf das eigene Zuhause werden jetzt Räume neu genutzt, die eigentlich für andere Funktionen geplant waren. Menschen arbeiten am Esstisch, basteln in der Küche und trainieren im Schlafzimmer. Diese Situationen sind oft leidige Kompromisse, die nach cleveren Innovationen für die Wandlungsfähigkeit von Räumen geradezu schreien. In einem anderen Sinne geht es beim Übergang um Erfahrungen, die sich auf den Transit zwischen der kontaminierten Außenwelt und der virusfreien Zone unseres Hauses beziehen. Räume wie der Wohnungsflur werden zu Luftschleusen, die uns auf die unsichtbare Bedrohung vorbereiten oder sie fernhalten. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine Fülle von Innovationen für den Haushalt geben wird, von Desinfektionslösungen für Hände, Kleidung und Accessoires bis hin zu neuen Möglichkeiten für Lieferungen an die eigene Haustür. Bezogen auf das eigene Heim ging es immer um den Schutz vor dem Bösen und die Corona-Pandemie scheint diese Erzählung neu belebt zu haben.

Der digitale Vortrag von Joon-Mo Lee findet am 5. Mai, um 10 Uhr, auf der Trend Stage statt.