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Materialtrends: Interview mit Hannes Bäuerle

21.04.2021

Hannes Bäuerle von raumprobe

Hannes Bäuerle von raumprobe

Als ausgewiesener Materialexperte hält Hannes Bäuerle auf der digitalen Trend Stage von interzum @home einen Vortrag zu antibakteriellen und antiviralen Oberflächen. Vor über 15 Jahren gründete er die Material-Datenbank raumprobe. Hinter der Onlineplattform steckt die Überzeugung, dass es zu jeder kreativen Idee das passende Material gibt. Wir sprachen mit ihm über aktuelle Entwicklungen im Bereich Materialien und Oberflächen und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche.

Herr Bäuerle, welche Entwicklungen beobachten Sie zurzeit im Bereich von antibakteriellen und antiviralen Oberflächen?

Die Nachfragen und Recherchen nach Materialien mit „Anti“-Eigenschaften sind stark gestiegen. Erfreulicherweise gibt es bereits seit geraumer Zeit eine ganze Palette an Materialien mit eben diesen Eigenschaften. Jüngste, neue Entwicklungen, an denen aufgrund der Pandemie mit Nachdruck geforscht wird, sind ebenfalls bereits erhältlich. Ob die angebotenen Oberflächen dann allerdings auch wirklich zum Einsatz kommen, ist mir nicht bekannt.

Die Nachfragen und Recherchen nach Materialien mit „Anti“-Eigenschaften sind stark gestiegen.

Wie bewerten Sie grundsätzlich die COVID19-Pandemie als Innovationstreiber bei Materialien und Oberflächen?

Mit gemischten Gefühlen. Eine sehr positive Entwicklung ist die gesteigerte Sensibilität in Bezug auf „gesunde Materialien“ und qualitativ hochwertigste Oberflächen. Andererseits hören und beobachten wir bei raumprobe aber auch, dass gerade Abteilungen für Forschung und Entwicklung in Kurzarbeit gehen mussten und teils noch immer sind. Das wird in einigen Märkten für einen Innovationsstau sorgen, dessen Auswirkungen wir noch nicht absehen können. Inwieweit COVID19 die Entwicklungen und Innovationen in den verschiedensten Baustoffbranchen vorangetrieben hat, werden wir spätestens 2022 bei den Einreichungen zum Materialpreis sehen. Wir sind jetzt schon gespannt, welche Unternehmen die Zeichen der Zeit am innovativsten lesen, interpretieren und umsetzten werden!

© raumprobe

© raumprobe

Wie unterscheidet sich Ihre Online-Materialdatenbank raumprobe von anderen Materialplattformen?

Das Besondere an raumprobe ist, dass wir von Beginn bei der Kommunikation und Darstellung der präsentierten Werkstoffe und Innovationen mehrgleisig agiert haben. Das Herz ist die permanente Ausstellung in der alle Exponate sprichwörtlich begriffen und mit allen Sinnen erlebt werden können. Aus den dort gesammelten Erfahrungen und Bewertungen speist sich die Onlinedatenbank. Mit der permanent aktuellen Selektion sind wir inzwischen die umfangreichste Quelle für Architektur- und Ausbaumaterialien. Aktuell wird die wahrscheinlich bereits heute umfangreichste Sammlung an ökologischen, nachhaltigen und kreislauffähigen Werkstoffen mit Nachdruck ausgebaut und parallel dazu eine Materialakademie gestartet.

Sie beschäftigen sich in ihrer täglichen Arbeit mit neuen Materialien für die Ausstattung von Objekten. Welche generellen Trends sehen Sie hier aktuell?

Material ist und bleibt real! Wenn wir aktuell auch in sehr digital geprägten Zeiten leben und wir in diesem Bereich bei Kommunikation und täglicher Projektarbeit viel dazu gelernt haben, die echte Qualitätsbeurteilung kann nur am realen Exponat erfolgen.

Die größte Nachfrage erzeugen Oberflächen mit interessanten Strukturen, Haptiken und Lichtspielen.

© raumprobe

© raumprobe

Bei welchen Materialien besteht zurzeit die größte Nachfrage?

Die größte Nachfrage und viel Interesse erzeugen Oberflächen mit interessanten Strukturen, Haptiken und Lichtspielen. Der „Touch“ als ganz eigenes Bewertungskriterium gewinnt immer noch an Bedeutung und spiegelt wohl auch den zunehmenden Überdruss an der permanenten Bildschirmarbeit und den glatten Touchscreens wider.

Wo sehen Sie weitere aktuelle Trends?

Ein weiterer Trend ist die kontinuierlich zunehmende Nachfrage nach Materialien die unbedenklich für Mensch und Umwelt sind. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber leider immer noch nicht ist, wird zukünftig eines der ausschlaggebenden Kriterien sein: ob ein Werkstoff nachhaltig erfolgreich ist. Speziell bei der jungen Generation ist eine deutlich feinere Sensibilität in Bezug auf diese Fragen zu beobachten.

Der Vortrag von Hannes Bäuerle zum Thema "ANTI*Material: ANTIbacteriell und ANTIvirale Oberflächen" findet am 4. Mai 2021, um 15 Uhr, auf der digitalen Trend Stage statt.