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Maßgeschneidert: 3D-Druck in der Möbelindustrie

28.01.2019

Gedruckte Möbeloberfläche Radiolaria von OceanZ und Lilian van Daal, © Manon van Daal

Gedruckte Möbeloberfläche Radiolaria von OceanZ und Lilian van Daal, © Manon van Daal

Längst hat die Möbelindustrie den 3D-Druck für sich entdeckt. Unternehmen und Designer suchen nach neuen Anwendungen und experimentieren mit Materialien und Formen. Doch welche Chancen und Vorteile bietet das Verfahren wirklich? Aktuelle Projekte zeigen das Potenzial des 3D-Drucks für die Einrichtungsbranche.

Viele Unternehmen und Entwerfer aus dem Möbelbereich arbeiten schon seit einiger Zeit mit dem 3D-Druck und haben erste Erfahrungswerte gesammelt. Die Technologie lässt sich vielfältig einsetzen – ob für die Herstellung von ganzen Möbeln oder einzelner Komponenten. Dabei liegen die Vorteile des Verfahrens auf der Hand: Der kreativen Gestaltung sind kaum Grenzen gesetzt, die Auswahl der Materialien ist flexibler und es wird kaum Abfall produziert. Außerdem bieten sich Vorteile bei der Montage und individuellen Anpassung von Möbeln.

Das große schwedische Möbelhaus mit den vier Buchstaben hat den 3D-Druck bereits für die Produktion von Strickmöbeln und Ersatzteilen eingesetzt. Außerdem plant der Konzern einen Stuhl für Online-Gamer, dessen 3D-gedruckte Sitzfläche an die Anatomie des jeweiligen Käufers angepasst werden kann. Ähnliche Beispiele gibt es auch aus der freien Designszene. Der Data Hocker des niederländischen Designers Henri Canivez misst zum Beispiel die Größe und Form des einzelnen Nutzers. Über einen Algorithmus wird dann mittels 3D-Druck die Sitzfläche gestaltet.

Gerade für solche individualisierten Produkte scheint das Verfahren prädestiniert zu sein. Ein aktuelles Forschungsprojekt des Instituts für Holztechnologie Dresden (IHD) sucht nach einem neuen Federungssystem für Polstermöbel unter Verwendung des Fused-Filament-Fabrication-Verfahrens. Das Projekt soll die Anpassung des Sitzkomforts an Kundenwünsche wesentlich erleichtern.

„3D-FeSy“ Federungssystem
Rapid Liquid Printing
Mit dem Paper Pulp Printer gedruckte Objekte
Gedruckte Möbeloberfläche
Esszimmer-Ensemble „Saul“

„3D-FeSy“ Federungssystem für Polstermöbel im Druckprozess, © Institut für Holztechnologie Dresden (IHD)

Rapid Liquid Printing: neuartiges 3D-Druckverfahren für Büromöbel © Steelcase

Mit dem Paper Pulp Printer gedruckte Objekte aus Papierabfall, © Beer Holthuis

Gedruckte Möbeloberfläche Radiolaria von OzeanZ und Lilian van Daal, © Manon van Daal

Esszimmer-Ensemble „Saul“ mit 3D-gedruckten Verbindungselementen, © Jon Christie

Zu den größten Vorteilen des 3D-Drucks gehört dessen Geschwindigkeit – und diese wird ständig optimiert. „Rapid Liquid Printing“ heißt eines der neuesten Verfahren, das Forscher vom MIT Lab im letzten Jahr gemeinsam mit dem Möbelhersteller Steelcase entwickelt haben. In einem mit Gel gefüllten Container baut das neuartige Druckverfahren Objekte schichtweise auf. Viel schneller als mit konventionellen Methoden sollen so Strukturen erstellt werden, um Büromöbel stärker personalisieren zu können.

Immer häufiger wird der 3D-Druck außerdem für die Wiederverwendung von Rohstoffen eingesetzt. Forscher der Michigan Technology University haben aus recycelten Holzabfällen der Möbelindustrie ein Filament für den 3D-Drucker entwickelt. Ziel des Projektes ist es, aus den Holzresten neue Möbelkomponenten herzustellen. Aus recycelten Papierabfällen bestehen dagegen die Einrichtungsobjekte des niederländischen Designers Beer Holthuis. Sein Paper Pulp Printer stellt Objekte aus Papierbrei her, der eine nachhaltige Alternative zu Kunststoff sein könnte.

Als Biomimikry bezeichnet die Designerin Lilian van Daal ihr Projekt eines Stuhls, den sie zusammen mit der 3D-Druck-Firma OceanZ konzipiert hat. Dieser besteht aus nur einem Material, das stabil und gleichzeitig flexibel ist und sich an Kleinstlebewesen orientiert. Die abfallfreie Produktion des Stuhls kommt ohne Schäume und Klebstoffe aus.

Zukunftsweisend erscheint das 3D-Druck-Verfahren besonders für die Herstellung einzelner Komponenten. Als einer der ersten Designer hat der schottische Entwerfer Jon Christie traditionelle Möbelfertigung mit der neuen Technologie verknüpft. Mit Verbindungselementen aus dem Drucker lassen sich seine hölzernen Sitzmöbel schnell montieren und nach Wünschen der Kunden gestalten.

Noch handelt es sich bei vielen mit dem 3D-Drucker produzierten Möbeln um aufwändige Designexperimente. Doch es scheint nur eine Frage der Zeit, bis mit dem additiven Verfahren auch preiswerte Objekte für den Massengebrauch produziert werden können. Aspekte der Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung sprechen ebenso dafür wie die Vorteile einer schnellen und personalisierten Fertigung.