21.–24.05.2019

#interzum

3 Fragen an: Daniel Trappen, kadawittfeldarchitektur

16.01.2019

Daniel Trappen kadawittfeldarchite

Daniel Trappen, kadawittfeldarchitektur © Carl Brunn

Welche Trends beschäftigen Architekten und Interior Designer bei Materialien und Oberflächen? Wir sprachen mit Daniel Trappen vom renommierten Büro kadawittfeldarchitektur über neue Entwicklungen in diesen Bereichen und seine Erwartungen an die kommende interzum.

Daniel Trappen, welche aus Ihrer Sicht besonders spannenden Trends sehen Sie heute im Bereich von Materialien und Oberflächen?

Die Haptik von Materialien und Oberflächen ist wieder in den Fokus gerückt. Zum einen im Sinne von „Cosyness“ und einer „neuen Gemütlichkeit“, zum anderen im Sinne von Natürlichkeit im Rahmen eines nachhaltigen Biodesigns. Das sind Themen, die nicht nur im Wohnbereich, sondern gerade auch in heutigen Arbeitswelten eine immer zentralere Rolle spielen, zumal neue Technologien es erlauben, sehr individuell zu planen, was unserer Auffassung von maßgeschneiderten Innenräumen entspricht.

Neue-Direktion

kadawittfeldarchitektur: Neue Direktion, Köln © Jens Kirchner

Wie wichtig sind Materialien und Oberflächen für Ihre eigene Arbeit? Ihr Büro verfolgt bei einzelnen Projekten auch Recycling- und Cradle-to-Cradle-Konzepte; sind das Entwicklungen, die auch im Interiorbereich an Bedeutung gewinnen können?

Cradle-to-Cradle- und Recycling-Konzepte sind für uns zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre; Aspekte wie Wiederverwertbarkeit, Sortenreinheit und Recyclingfähigkeit stehen immer mehr im Fokus. Der anfangs vielleicht der DIY-Nische verschriebene Upcycling-Trend ist längst marktfähig geworden und findet schon heute Anwendung in einigen industriellen Prozessstrukturen. Neben der Verwendung bereits existierender Recycling-Produkte sehen wir unsere Aufgabe als Planer auch darin, durch Nachfrage und Kooperationsangebote Hersteller dazu zu bewegen, innovative Neuentwicklungen voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund interessieren wir uns für Produkte, die aus Produktionsabfällen gewonnen werden und die positiven Materialeigenschaften nutzen – z.B. Plattenmaterialien, die aus verpressten Resten aus der Stoffproduktion bestehen und als dekoratives, akustisch wirksames Filzpaneel eingesetzt oder als Plattenwerkstoff zu Möbeln verbaut werden können. Oder auch für Lederfaserstoffe, die als Platten- oder Wand-Beschichtung besondere haptische Qualitäten aufweisen, und für alternative Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Ananas-Leder.

LWL-Klinik

kadawittfeldarchitektur: LWL-Klinik, Küchenhaus, Dortmund © Andreas Horsky

Welche Erwartungen haben Sie an die anstehende interzum, auch in Anknüpfung an Ihren Besuch auf der vorigen Messe?

Wir hoffen, weitere spannende neue Themenfelder zu entdecken und neue Denkanstöße zu erhalten. Interessant ist es natürlich, immer wieder aufs Neue ein Update über den breiten Markt im Bereich von Materialien und Oberflächen zu bekommen. Wir sind aber auch neugierig, ob bereits visionäre Ansätze der vergangenen interzum – das erwähnte Feld der Recyclingverfahren ist da eines von vielen – weitergedacht und professionalisiert wurden. Und welche neuen Technologien auftauchen, die vielleicht erst am Anfang ihrer Markttauglichkeit stehen. Besonders spannend in der Vergangenheit haben wir den interdisziplinären Ansatz der interzum gefunden, eigentlich branchenfremde Produktionstechniken zu zeigen, die großes Potential für die eigene Inspiration und Innovationen im Interiorbereich bergen.

Daniel Trappen ist Head of Interior Design bei kadawittfeldarchitektur in Aachen. Schwerpunkte des renommierten Büros liegen u.a. bei Wohn- und Bürobauten, Messeprojekten und Museen und reichen von Interiors bis zu städtebaulichen Planungen. Daniel Trappen war bei der interzum 2017 Teilnehmer der Führung für Architekten.

kadawittfeldarchitektur: DocMorris Headquarters, Heerlen (NL) © Andreas Horsky

kadawittfeldarchitektur: DocMorris Headquarters, Heerlen (NL) © Andreas Horsky