Smart Textiles: Interview mit Sabine Gimpel vom titv Greiz

27.08.2018

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© titv Greiz

Smarte Textilien erweitern die Möglichkeiten im Möbel- und Fahrzeugbau. Das Institut für Spezialtextilien und flexible Materialien (titv) ist eine Ideenschmiede für solche neuen textilen Anwendungen. Wir sprachen mit Sabine Gimpel, Leiterin Forschungsmarketing, über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven im Bereich Smart Textiles.

Frau Gimpel, das titv Greiz forscht mit interdisziplinären Teams zu Innovationen im Bereich Textilien. Welche maßgeblichen neuen Entwicklungen beobachten Sie dabei?

Die Textilunternehmen in Deutschland konzentrieren sich zunehmend auf technische Textilien. Auch Smart Textiles stehen heute vermehrt im Fokus. Am titv Greiz beschäftigen wir uns vorwiegend mit der Entwicklung elektrisch leitfähiger Textilien und spezieller Oberflächenbehandlungen sowie deren Anwendungen – wie zum Beispiel selbstleuchtende, sensorische oder heizende Textilien. Mit den Forschungsschwerpunkten Smart Textiles, Oberflächenfunktionalisierung und flexible Materialien werden Innovationen für Anwendungen entlang der textilen Verarbeitungsstufen und für Branchen wie den Automobilbau oder den Wellnessbereich entwickelt.

Zu Ihren Forschungsschwerpunkten gehören smarte Textilien. Was tut sich im Hinblick auf solche Produkte im Markt?

Smart Textiles werden seit über 15 Jahren erforscht, dennoch sind nur einzelne Produkte kommerziell verfügbar. Ein breiter Durchbruch kündigt sich im Bereich sensorische Bekleidung für den Wellness- und Gesundheitsbereich an. Smarte Textilien – ob sensorisch, aktuatorisch, heizend, leuchtend oder interaktiv in Kombination mit mobilen Geräten und nutzerfreundlichen Apps – werden in Zukunft den Markt erobern. Voraussetzungen dafür sind zuverlässige Produkte, marktreife technologische Lösungen sowie kostengünstige automatisierte Fertigungen.

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© titv Greiz

Welche Möglichkeiten eröffnen neue Fertigungsmethoden wie der 3D-Druck für die Produktion und Verarbeitung von Textilien?

Der 3D-Druck ist schon fast ein „Alleskönner“. Immer dann, wenn Individualität und Muster oder Kleinstmengen gefragt sind, lässt sich der 3D-Druck in die Ideenfindung einbeziehen. Für die Smarten e-textiles sind z.B. Bauteilgehäuse oder -verkapselungen ein Thema.

Was bedeuten die neuen Entwicklungen im Textilbereich für die Möbelproduktion?

Wie bei fast allen Produkten ist auch im Möbelbau Funktionsintegration ein Thema. Dazu können Textilien mit sensorischen, leuchtenden oder heizenden Funktionen beitragen.

Und welche Möglichkeiten bieten solche Textilien für den Automobilbau?

In der heutigen Fahrzeugentwicklung stehen die Themen neue Antriebskonzepte und der schonende Umgang mit Ressourcen an erster Stelle. Eng verbunden damit sind die Elektromobilität und der Leichtbau, für die Textilien zukünftig ein interessanter Werkstoff sein wird. Dazu tragen vielfältige Aktivitäten im Bereich der faserverstärkten Kunststoffe bei. Auch die Integration von Sensorik und Aktorik in textile Strukturen kann durch Systemintegration zu einer weiteren Gewichtsreduzierung beitragen. Weitere Möglichkeiten für den Einsatz in Automobilen bieten berührungslose Sensorsysteme. Kapazitiv arbeitende Sensoren lassen sich über verschiedene Textiltechnologien so aufbauen, dass sich EMG-Signale ohne direkten Körperkontakt abnehmen und auswerten lassen. Hier ergeben sich gerade für die Vermeidung von Unfällen, die z.B. auf Übermüdung zurückzuführen sind, interessante Ansätze für Fahrerassistenzsysteme.

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