Grüner Möbeltrend: Stühle aus Biomaterial

23.03.2017

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Sitzen auf Seegras, Kartoffeln oder Blättern? Neue Biowerkstoffe für die Produktion von Stühlen machen es möglich. Designer entdecken die Natur als Inspirationsquelle und gestalten klassische Sitzmöbel mit einem grünen Anspruch.

Für Designer gehört ein Stuhl zu den spannendsten Möbelstücken. Als Entwurfsobjekte waren Sitzmöbel daher schon immer Träger von Innovationen – man denke nur an Bauhaus-Freischwinger oder die Kunststoffsessel der 60er-Jahre. Mit zukunftsweisenden Formen und Materialien sind sie ihrer Zeit oftmals voraus und spiegeln zugleich gesellschaftliche Trends. Auch die neuesten Modelle verweisen auf solche Strömungen, indem sie eine nachhaltige Gestaltung in den Mittelpunkt stellen.

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Auf der Suche nach Ressourcen schonenden Materialien entdecken Designer heute natürlichen Abfall als Inspirationsgeber. Scheinbar Überflüssiges wird zu Werk- und Wertstoffen für neue Stuhlmodelle verarbeitet. Zahlreiche Entwerfer experimentieren mit Pflanzenresten, Gemüseabfällen und ähnlichen organischen Überbleibseln. Die ungewöhnlichsten Rohstoffquellen werden ausprobiert, um zum Beispiel Biokunststoffe für Sitzschalen herzustellen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Werkstoffen bieten solche biobasierten Materialien entscheidende Vorteile: Das Rohmaterial ist in großen Mengen vorhanden, frei verfügbar und lässt sich auf nachhaltige Weise weiter verwerten.

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Aus Seegras, das massenhaft an die Küste gespült wird, gestaltet zum Beispiel die Designerin Carolin Pertsch ihren „Zostera Stool“. Der Pflanzenabfall, der sonst als Sondermüll auf Deponien landet, findet als Biokunststoff für den Sitz des Hockers Verwendung. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Jarrell Goh aus Singapur mit seinem „Potatoe Chair“ aus Abfällen der Kartoffelindustrie. Die niederländische Designerin Christien Meindertsma hat einen Stuhl aus Flachs und einem Kunststoff aus Milchsäure (PLA) entwickelt. Das preisgekrönte Sitzobjekt ist vollständig biologisch abbaubar und zeigt, das Ökodesign sehr stylisch sein kann. Elegant sind auch der Lounge und Dining Chair des Kizis Studio mit Sitz in Athen und London. Das zu 100 Prozent abbaubare Biomaterial für deren Sitzschalen besteht aus Artischockenresten. Zu den jüngsten Projekten gehört der „Beleaf Chair“ des slowakischen Designers Šimon Kern. Der in Entwicklung befindliche Stuhl nutzt eine Mischung aus Laub und einem Bio-Harz, das aus alten Speiseölen gewonnen wird. Wie die anderen Modelle beweist er, dass es eigentlich keine Abfälle, sondern nur neues Material zum Gestalten gibt.

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Die kommende interzum beschäftigt sich vom 16. bis zum 19. Mai auf einer eigenen Sonderfläche mit nachhaltigen Werkstoffen. Unter dem Motto „Circular Thinking“ wird in Halle 4.2 unter anderem gezeigt, wie Stühle aus gebrauchten Jeanshosen entstehen:

Sonderfläche Upcycling

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