„Beginn eines Dialogs“: Interview mit den Designern Philipp Hermes und Dustin Jessen

16.12.2016

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Philipp Hermes und Dustin Jessen lernten sich an der Folkwang Universität der Künste in Essen kennen. Bereits während des Studiums realisierten die beiden Industriedesigner gemeinsame Projekte. Ein erster Erfolg war die Auszeichnung mit dem VDID Newcomers’ Award auf der interzum 2011. Wir sprachen mit den Jungdesignern über die weitere Entwicklung ihrer Arbeit, heutige Herausforderungen für angehende Entwerfer und die Messe als Bezugspunkt.

Philipp Hermes und Dustin Jessen,Sie waren Preisträger des ersten auf der interzum verliehenen VDID Newcomers’ Award 2011. Wie hat sich das auf die Entwicklung Ihrer eigenen Arbeit ausgewirkt?

Wir haben den Preis mit einer gemeinsamen Studienarbeit gewonnen. Zu dieser Zeit waren wir relativ unerfahren in der Arbeit mit der Öffentlichkeit. Rückblickend betrachtet, war ein so prominenter Messeauftritt eine gute Erfahrung und sicherlich eine wichtige Übung für uns. Was uns an solchen Nachwuchspreisen am meisten reizt, ist weniger das Preisgeld oder die „Ehrung”, als vielmehr der Kontakt zur Öffentlichkeit sowie die Möglichkeit der Kritik an der eigenen Arbeit und der Beginn eines Dialoges mit möglichen Kunden.

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Sie sind mit verschiedenen weiteren Nachwuchspreisen ausgezeichnet worden, bevor Sie sich mit Ihrem eigenen Designstudio in Köln selbstständig gemacht haben. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie heute für angehende Designer?

Wir leben in einer Welt rasanter Veränderungen, aber auch mit unendlich vielen Möglichkeiten. Der kanadische Designer Bruce Mau hat einmal gesagt: „Now that we can do anything, what will we do?” Diese Frage stellen wir uns tatsächlicher häufiger. Daneben geht es natürlich auch darum, ein Designbüro wirtschaftlich erfolgreich zu etablieren. Was vor einigen Jahren noch als sichere Geschäftsidee für Designer galt, muss heute nicht mehr unbedingt so funktionieren. Für uns geht es also darum, nicht nur in Projekten kreativ zu sein, sondern auch beim eigenen Geschäftsmodell – was idealerweise Hand in Hand geht.

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Sie experimentieren bei Ihren Möbelentwürfen mit Materialanwendungen und Konstruktionsdetails. Welche spannenden Entwicklungen beobachten Sie im Hinblick auf neue Materialien und Fertigungstechniken für das Möbeldesign?

Historisch gesehen sind es häufig Entwicklungen im Bereich Material und Fertigung, die einen Entwurf später zum Klassiker gemacht haben. Die Auseinandersetzung mit neuesten technologischen Entwicklungen ist daher auch für uns ein Katalysator – aber für einen guten Entwurf reichen neue Technologien alleine nicht aus. Wir denken, dass es mehr braucht für einen sinnvollen Beitrag zur traditionsreichen und manchmal Ehrfurcht erweckenden Geschichte des Möbeldesigns. Als Designer muss man sich mit Entwicklungen jedweder Art auseinandersetzen. Wir schenken beispielsweise dem Aspekt der Benutzbarkeit sehr viel Aufmerksamkeit.

Wie bewerten Sie grundsätzlich Messen wie die interzum als Businessplattform und Inspirationsquelle?

Für uns als Kölner Designbüro ist die Messe eine wertvolle Gelegenheit, Bekanntschaften zu knüpfen und zu pflegen. Regelmäßig kommen nationale und internationale Hersteller, Zulieferer und Designer hier zusammen – fast schon familiär. Dass wir für dieses Zusammentreffen quasi nur vor die Tür treten müssen, ist für uns ein großes Plus im Hinblick auf den Standort Köln.

http://www.hermesjessen.de

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